Verborgene Schätze im Lebenslauf
Was haben Sie denn damals wirklich gemacht?
Diese Frage stellte mir vor vielen Jahren eine Personalmanagerin.
Sie las in meinem Lebenslauf: Freie Mitarbeiterin, Verein zur Förderung aktueller Musik, 1993 bis 1994. Zwei Zeilen. Mehr stand da nicht.
Och, sagte ich. Ich habe dem Verein geholfen, Fördergelder zu bekommen.
Dann habe ich eine Konzertreihe in einer Galerie für moderne Kunst auf die Beine gestellt.
Die Künstler organisiert.
Die Ausschreibungen gemacht.
Das Sicherheitskonzept erstellt.
Das Teilnehmermanagement betreut.
Und als keine Zeitung über uns berichten wollte, habe ich die Ankündigungen selbst geschrieben. Am Konzerttag die Künstler betreut, die Gäste empfangen – und hinterher die Rezension verfasst, für genau die Zeitung, die zu Beginn keinen Journalisten schicken wollte.
Später haben sie uns die Tür eingerannt.
Ein Freund sagte damals: „Ich gehe jetzt in jedes deiner Konzerte. So spannend, wie du das beschreibst."
Die Personalmanagerin schaute mich an.
„Sie haben also Projektmanagement gemacht. Fundraising. Eventorganisation. Kommunikation und Pressearbeit. Sie können mit Menschen umgehen. Und mit digitalen Werkzeugen kennen Sie sich auch aus."
Das alles in diesem einen Job.
Jo, sagte ich und lachte.
Ich hatte keine Ausbildung als Projektmanagerin. Keine als Kommunikationsfachfrau. Keine als Eventmanagerin. Und als Journalistin schon gar nicht.
Im Zeugnis steht: freie Mitarbeiterin. Dreissig Stunden im Monat.
Nicht in der Woche. Im Monat.
Ein kleiner Verein zur Förderung aktueller Musik – im Vereinsnamenstand sogar „in der Provinz".
Mir war schlicht nicht aufgefallen, was ich alles konnte.
Es hat eine Personalmanagerin gebraucht, die mir meine eigene Arbeit übersetzt hat.
Und jetzt kommt das Verrückte: Als ich für diesen Beitrag das alte Zeugnis herausgesucht habe, stand da noch etwas, das ich in all den Jahren vergessen hatte. Ich hatte Fragebogen entwickelt, um die Wirkung der Schulbesuche auszuwerten. Und ich hatte eigene Vorschläge zur Verbesserung der Abläufe eingebracht und umgesetzt.
Wirkungsmessung. Prozessverbesserung.
Dreissig Jahre später, in meinem eigenen Zeugnis. Und ich hatte es schon wieder übersehen.
Was steht in Ihrem Lebenslauf in zwei dürren Zeilen – und war in Wirklichkeit ein ganzes Projekt?
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